Der Alltag des Schülercoachs am Johanneum

Silvia Scheibe: Eine "kleine Rettung"

Als "kleines eigenes Geburtstaggeschenk" betitelt die 40-jährige Silvia Scheibe ihren Beruf als Schülercoach an der Christlichen Schule Johanneum Hoyerswerda. Denn seit dem 01. August 2018 (ihrem Geburtstag) begleitet sie die Schüler, Eltern und Lehrer. Sie ist sozusagen die soziale Stütze für Schüler, die Ratgeberin für Lehrer und eine Beraterin für Eltern.

"Schulsozialarbeiterin bedeutet die Schüler zu unterstützen, zu stärken, zu motivieren und auf ihre eigenen Fragen und Bedürfnisse einzugehen", so Silvia Scheibe. Aber auch im privaten Umfeld wird sie häufig um Hilfe gebeten.

Die gelernte Erziehungswissenschaftlerin hat mit der Zeit bemerkt, dass sie an der Schule das "Menschliche" vermisst hat. So hatte sie die Idee, "Zeit und Raum für die Themen der Schüler" zu haben, da es den Lehrern wegen des Unterrichtstoffes meist an dieser besagten Zeit fehlt. Infolgedessen hat sie sich diese Aufgabe gewünscht, weil ihr diese Rolle Spaß macht und sie etwas Positives bewirken will und kann.

Nachdem Silvia Scheibe mit ihrem Programm "Mindmatters" die Klassen besuchte, teilten auch viel mehr Schüler ihre privaten Anliegen mit ihr. In ihrem Projekt "Mindmatters" handelt es sich darum, einen gesunden Ausgleich zwischen den schulischen Aufgaben und der Freizeit zu bekommen. Obwohl sie meist Mädchen aus der sechsten bis achten Klasse besuchen, vertrauen sich ihr auch immer mehr Jungen an.
Häufige Themen, bei denen die Schüler ihre Hilfe suchen, sind vor allem Probleme mit der Familie, Freunden, aber auch Lehrer. Zudem kommt hinzu, dass Silvia Scheibe auch immer ein offenes Ohr und ein paar Tipps für Schüler parat hat, welche unter Leistungsdruck leiden.

Auf die Frage, ob Silvia Scheibe mit einer bestimmten Struktur beim Problemlösen vorgeht, antwortet sie, dass "der erste Punkt immer zuhören" sei. Danach werden die Probleme der Schüler in drei oder mehr Sitzungen besprochen und analysiert. Die Schulsozialarbeiterin geht währenddessen besonders auf den Wunsch der um Hilfe suchenden Person ein und wendet dabei ebenfalls auch ihre Methoden an.

Kurz nachdem Silvia Scheibe das Studium abgeschlossen hatte, fiel es ihr noch schwer, Beruf-und Privatleben zu trennen. Über viele Sachen hat sie sich Sorgen gemacht, weil ihr die Probleme anderer am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn ziemlich nahe gegangen sind. Doch mittlerweile gelingt es ihr einen "professionellen Abstand" zu halten. So meint die gelernte Erziehungswissenschaftlerin auch, dass man gerade mit diesem Abstand auch besser agieren kann, da man "emotional nicht so sehr involviert" sei.

Der Beruf Schulsozialarbeiterin belastet den Menschen zwar auch emotional, aber man kann die Erlebnisse auch nicht "in Abschnitten sehen". Alles sei ein Prozess, sowohl das Leben als auch die berufliche Laufbahn. Ehemalige harte Erfahrungen bezeichnet Silvia Scheibe heute als "Lehrzeit", welche sie nun sicherer macht.

Wie wichtig Silvia Scheibe für viele Schüler ist, kann sie sich gut vorstellen, weil sie selbst eine schwierige Vergangenheit bzw. Kindheit durchleben musste. Der Schülercoach weiß, wie wichtig auch nur eine Person sein kann, welche an einen glaubt, denn das sei schon manchmal eine "kleine Rettung".

In den nächsten Jahren wird Silvia Scheibe noch vielen weiteren Schülern und Schülerinnen auf ihrem persönlichen Weg begleiten. Sie wird sie stärken und dazu inspirieren, anderen Gutes zu tun, denn jeder Mensch sollte sein Leben als Vorbild für andere leben.

Über diesen Beitrag

Rubrik: Berichte & Rückblicke

Veröffentlicht: am 31.01.2019

Autor: Paula Kruscha und Sarah Kollatzsch

Bildnachweis: Vielen Dank an Sarah Kollatzsch für das Foto.