» "Wider das Vergessen"

"Wider das Vergessen" ist ein Projekt des Verbandes der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schulen (RAA) gemeinsam mit den 3 Gymnasien der Stadt sowie der 3. Mittelschule. Seit 12 Jahren finden diese Projekttage am Johanneum statt.

Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen befassen sich mit der Zeit des Nationalsozialismus (1933 - 1945) und Rechtsextremismus in der Gegenwart. So gibt es jedes Jahr eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz (siehe unten), einen Kinofilm zum Thema in der KuFa, Ausstellungen, eine Kranzniederlegung und es werden Wandzeitungen, Gedichte, Texte und andere Projektarbeiten angefertigt. Der Höhepunkt ist das Gespräche mit Zeitzeugen, welches dieses Jahr am 17. Januar stattfinden wird. (Bericht siehe unten)


Zeitzeugengespräche

Den Höhepunkt des Projektes "Wider das Vergessen" bildeten die Zeitzeugengespräche mit ehemaligen Opfern der NS-Zeit.

Am 17.01.2008 konnten Hoyerswerdaer Schüler der 10. Klassen diese Gelegenheit nutzen und mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen.

Am Johanneum waren in diesem Jahr Stanislaw Hantz, ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Auschwitz, Nr. 2049, der der Klasse 10b von sich erzählte und Gerhard Hoffmann, der Mitautor des Buches "Buchenwald - ich kann dich nicht vergessen", der als indirekter Zeitzeuge der Klasse 10a zur Verfügung stand.
Am Abend zuvor stellte er während einer Buchlesung im Schloss Hoyerswerda zwei Lebensbilder ehemaliger Buchenwaldhäftlinge vor.

Weitere Einzelheiten aus dem Leben der Häftlinge erfuhren die Schüler am Vormittag des 17.01.2008. Herr Hoffmann stellte uns Männer vor, die unter schrecklichen Bedingungen das Lager überlebt hatten. Er beantwortete viele Fragen, so z. B. ob es unter den Häftlingen auch Solidarität gab.

Dieser Vormittag endete für uns Schüler mit neuen Eindrücken und Erkenntnissen. Sie sind sehr wichtig, denn schließlich werden kommende Generationen kaum noch die Möglichkeit haben, Zeitzeugen zu hören und mit eigenen Augen die tätowierten Häftlingsnummern auf dem Unterarm zu sehen.

Alexandra Lehmann, 10a
Melanie Kulike, 10a



Meine Fahrt nach Auschwitz

Es war ein sehr trüber und regnerischer Tag, als wir mit dem Bus in Auschwitz ankamen. Ich spürte sofort den matschigen Boden unter den Füßen und der Geruch von schlammigen Boden und feuchten Gräsern stieg mir in die Nase als ich aus dem Bus ausstieg.

Als wir uns in Gruppen aufgeteilt hatten, begann die Führung am Eingangstor des Stammlagers. Nachdem in den Blick vom Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" endlich gewendet hatte, merkte ich nun deutlich ein unbehagliches Gefühl in mir aufsteigen und ich glaubte, dass das schlechte Wetter dies noch verstärkte. Doch ich war, so merkwürdig es klingen mag, etwas erleichtert über dieses Gefühl, was eine Mischung aus Anspannung, Nervosität, Angst, Trauer und Kälte darstellte.
Denn im Vorfeld hatte ich mich häufig gefragt:
Werde ich mich in die Situation damals hineinversetzen können?
Was werde ich fühlen?
WERDE ICH ÜBERHAUPT ETWAS FÜHLEN? oder wird dieses Erlebnis einfach an mir vorbeiziehen?

Unsere Gruppenleiterin führte uns weiter durchs Lager, wo wir einen schreckenerregenden Ort nach dem nächsten sahen.
Berge von Koffern, Schuhen, Pfannen, Stühlen und anderen Habseligkeiten türmten sich in den riesigen Vitrinen der einzelnen Baracken. Und auch die Erinnerung an die Unmengen von Haaren und dem modrigen Geruch, der von ihnen ausging ist in mein Gedächtnis eingebrannt worden.

Eine merkwürdige Stimmung herrschte während der gesamten Führung durchs Lager. Auch nach mehr als einem halben Jahrhundert war an diesem Ort nirgends ein Lachen zu vernehmen. Die meisten schwiegen, nur ab und zu war ein leises Gemurmel zu hören, ansonsten waren alle in sich gekehrt und wahrscheinlich mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt.
Als wir zum Schluss Birkenau besuchten, kam mir das ganze als erstes nur unwirklich vor. Diese riesige Rampe, die auf Bildern immer so klein erschien, und als ich mir vorstellte, dass die ganze Fläche mit Menschen gefüllt war, von denen die meisten der Tod erwartete ... für mich einfach unfassbar.

Doch das Schlimmste an diesem Tag stellte dieses große Gelände, auf denen die Überreste der Baracken standen, dar.
Das hier Menschen gelebt haben sollen? Zusammengepfercht auf engstem Raum, mit keiner Privatsphäre, kaum Nahrung oder Schutz vor Kälte? Wie hier jemand überlebt hat ist mir ein Rätsel.

Die ganze Besichtigung kam mir mehr denn je wie ein Traum vor, was einerseits wahrscheinlich an meinem immensen Schlafmangel während der letzten zwei Tage herrührte und andererseits, dass es für mich einfach zu grausam erschien um wirklich wahr sein zu können, als wäre das ganze einem bösen Traum entsprungen.

Als wir dann zur Gedenkstätte kamen und unsere Blumen niedergelegt hatten, verspürte ich in mir etwas Scham. Ich schämte mich ein wenig Deutscher zu sein. Auch wenn ich wohl weiß, dass meine Generation nichts dafür konnte, waren es doch wir Deutschen, die so viel Elend in die Welt gebracht haben.

Aber ich war auch froh darüber, dass so viel dafür getan wird, dass man dies nicht einfach in Vergessenheit geraten lässt, Aufklärungsarbeit leistet und so dafür sorgt, dass solche grauenvollen Dinge hoffentlich nie wieder geschehen.

Während wir nun zurück zum Bus liefen, wurde mir klar, dass dies ein Tag war, an dem ich mir teilweise ein eigenes Bild machen konnte.
Ein Tag, der mich mehr denn je zum Nachdenken und Mitfühlen anregte.
Ein Tag, der mir immer im Gedächtni12:55 08.02.2008s bleiben wird.

Susanne Schulze, 10a