"Dzien dobry!"
.... so lautete für uns die Begrüßung durch Schüler des Gymnasiums Nr. 3 aus dem schlesischen Neisse, dem heutigen polnischen Nysa. Vom 2.- 6. Juni 2009 waren wir, die 8a des Christlichen Gymnasiums Johanneum Hoyerswerda, als erste Klasse unserer Schule zum Schüleraustausch mit unserer neuen Partnerschule in Polen. Um uns schnell kennenzulernen, führten wir verschiedene Aktionen durch und schlossen so trotz einiger Sprachbarrieren zaghafte Kontakte.
Am nächsten Tag trafen sich alle aufgeregt wieder und tauschten die ersten schönen Eindrücke aus den Gastfamilien und über den Ort Neisse aus. Die Wichtigkeit solcher Unternehmungen im zusammenwachsenden Europa betonte im Anschluss bei einem Empfang im Rathaus der stellvertretende Bürgermeister, der die Freude der Stadt über die erste polnisch-deutsche Schulpartnerschaft zum Ausdruck brachte und auch das Engagement der deutschen Minderheit vor Ort sowie ehemaliger Schlesier, Mitglieder im BdV/Stadtverband Hoyerswerda, beim Herstellen der Kontakte lobte.
Hauptschwerpunkt unseres Programms bildete das gemeinsame Studium des Lebens bzw. der Werke Eichendorffs, der die letzten Jahre seines Daseins hier verbrachte, und im heutigen Nysa erst auch für die Schule wieder entdeckt wird. Begleitet von Familie Rock begaben wir uns auf die Spuren des Dichters, rezitierten am neu errichteten Eichendorff-Denkmal seine Werke, beteten am Grab in deutsch und polnisch ein Vater Unser und erklommen die Charlotten-Höhe mit dem Pavillon, dem Lieblingsplatz des Dichters und Ort des Entstehens einiger seiner letzten Werke. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Silhouette der Stadt und das Glatzer Bergland, sodass wir zum Teil auch die lyrische Stimmung einiger Gedichte Eichendorffs jetzt besser nachempfinden können, die uns im Unterricht noch so unverständlich und antiquiert vorkam.
Zudem besuchten wir die Stadt Lubowitz, in der man ein Eichendorff-Museum, die Ruine seines Geburtshauses und die aus dem Gedicht "Das Zerbrochene Ringlein" bekannte Mühle sehen kann. Begleitet wurden wir auch bei diesem Ausflug vom deutschen Ehepaar Rock, welche als Kinder nach dem 2. Weltkrieg in Polen bleiben durften. Obwohl sie nicht immer ein leichtes Leben hatten, da sie z. B. ihre Muttersprache Deutsch in ihrer Kindheit nicht sprechen durften, engagieren sie sich heute für die Stadt Nysa und bewahren das Erbe von Eichendorff.
Außerdem unternahmen wir eine sehr informative Führung durch Nysa, welche die preußische Festungsstadt von Friedrich II. war. Noch heute kann man die beeindruckenden Festungsanlagen besichtigen, welche restauriert und zu Touristenzentren geworden sind. Aber auch das neue Nysa mit seinen rekonstruierten Gebäuden wurde uns nahe gebracht.
Eine weitere für die Stadt wichtige Person war und ist die Gründerin des Ordens der Grauen Schwestern, Maria Luisa Merkert, die "schlesische Samariterin". Geboren 1817 in Neisse, begann sie 1842 gemeinsam mit ihrer Schwester in der ambulanten Armenpflege tätig zu werden, später gründete sie den Orden. 135 Jahre nach ihrem Tod, am 30. September 2007, wurde sie für ihr Wirken in Neisse selig gesprochen. Wir erfuhren in einer Führung durch eine Nonne viel über ihre Hilfe und Aufopferung für die Kranken und Armen in ihrem gegründeten Kloster. Wir hatten sogar die Ehre, uns im Gästebuch des Klosters zu verewigen.
Am Donnerstag nahmen wir am Unterricht teil und konnten uns somit einen Einblick in das polnische Schulleben verschaffen. Am Abend machten wir ein Lagerfeuer mit Sport, Spiel und Grillen am nahe gelegenen Stausee.
Ein Ausflug führte uns auch in die historische Stadt Breslau/Wroclaw. Dort wurden wir durch die beeindruckende Stadt mit ihren über einhundert Kirchen und 120 Brücken geführt und besichtigten das „Panorama Raclawicka“, ein riesiges Rundgemälde, das an die siegreiche Schlacht von Raclawicka zwischen Polen und Russland erinnert.
Wir waren sehr begeistert von den prächtigen Bauten der Altstadt.
Leider waren die Tage schnell vorbei und bald hieß es "Do widzenia".
So mussten wir uns von den netten und gastfreundlichen Familien verabschieden und freuen uns schon sehr auf das Wiedersehen im September und hoffen, dass es den Schülern hier auch so gut gefallen wird.
Wir wünschen den Klassen, die nach uns Neisse besuchen werden, informative und schöne Tage sowie viel Spaß.
Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle auch beim Sächsischen Staatsministerium des Innern, das einen Teil der Reisekosten gefördert hat und uns so interessante und lehrreiche Tage in Schlesien ermöglicht hat. Ein Dank geht auch an unsere Lehrer Frau Buder und Herrn Oswald für die gut organisierte Reisebegleitung.
Klasse 8a
Fotos: Herr Oswald